Digital Blending (DRI) - Teil 1


Es gibt Aufnahmesituationen, bei denen die Szenerie einen großen Dynamikumfang aufweist. Das heißt, die Szene weist sowohl extrem dunkle als auch extrem helle Bildbereiche auf. Das Problem bei solchen Motiven ist, dass wir die Szene zwar mit all diesem Dynamikumfang sehen können, aber die Kamera diese nicht so erfassen kann. Als Folge hat man oft überstrahlte, ausgefressene oder tiefscharze Bildbereiche auf dem aufgenommen Bild. Manchmal sogar beides.

Einige Beispiele:

 

  • Nachtaufnahmen sind Paradebeispiele, beispielsweise Nachtaufnahmen von Städten. Ein solches Motiv weist extrem helle Bereiche (z.B. beleuchtete Fenster, Straßenlaternen, etc.) sowie extrem dunkle Bereiche wie unbeleuchtete Häuser oder den Nachthimmel auf. Der Dynamikumfang ist also sehr groß.
  • Landschaftsaufnahmen und Himmel. Landschaftsaufnahmen, bei denen auch der Himmel mit aufgenommen wird, weisen ebenfalls häufig einen großen Dynamikumfang auf. Dabei ist der Himmel meist der hellste Bereich im Bild, wobei andere Bildinhalte wie Felder, Wiesen, Bäume etc. die dunklen Bereiche ausmachen - vor allem dann, wenn diese Bereiche im Schatten liegen.
  • Gegenlichtaufnahmen. Fotografiert man z.B. eine Stadtsilhouette bei untergehender Sonne, wobei sich die Sonne sichtbar im Vordergrund befindet, ist der Dynamikumfang extrem groß. Die Teile der Szenerie, die im Schatten liegen sind sehr dunkel, die Sonne hingegen gleißend hell.

 

Um nun den Dynamikumfang solcher Szenen in den Griff zu bekommen und ein Bild zu erzeugen, das keine überstrahlten und keine unterbelichteten Bildbereiche aufweist, eignet sich die sogenannte Digital Blending oder Dynamic Range Increase Technik (DRI). Diese Technik wird oft auch als Exposure Blending oder Exposure Fusion bezeichnet. Ziel ist dabei ein über alle Bildbereiche korrekt belichtetes Bild zu bekommen.

 

Zur Technik

 

Um DRI anwenden zu können, muss eine Belichtungsreihe des Motivs erstellt werden. Dabei erstellt man mehrere Bilder mit unterschiedlichen Belichtungszeiten, wobei (meist) mehrere unterbelichtete Bilder, ein korrekt belichtetes und mehrere überbelichtete Bilder des gleichen Motivs erstellt werden. Idealerweise verwendet man dabei ein Stativ um deckungsgleiche Bilder zu bekommen und Verwacklungen zu vermeiden. In der Nachbearbeitung werden die einzelnen Bilder zu einem Zielbild zusammen gerechnet, wobei die Bildinformationen der Einzelbilder überblendet werden. Das Zielbild lässt sich - anders als bei HDR - sofort am Bildschirm darstellen. Ein DRI-Bild besteht aus mindestens zwei unterschiedlich belichteten Bildern, kann aber auch aus mehr Einzelbildern bestehen. Ein DRI-Bild wird zudem meist manuell erstellt, beispielsweise in dem man mehrere Bilder bzw. Bildebenen in einem Programm wie Photoshop "überblendet", woher auch die Bezeichnung "Exposure Blending" (Belichtungsüberblendung) rührt. Es gibt jedoch auch automatisierte Wege um ein DRI-Bild zu erstellen. Wir werden einige Möglichkeiten hier zeigen.

 

Unterschied zu HDR

 

Die grundsätzliche Herangehensweise bei einem HDR-Bild (High Dynamic Range) ist die gleiche wie bei einem DRI-Bild. Man erstellt eine Belichtungsreihe und verrechnet die Einzelbilder anschließend zu einem Zielbild. Der Unterschied bei einem HDR besteht darin, dass ein HDR-Bild von einer "Spezial"-Software erstellt wird und es sich bei einem echten HDR um ein 32Bit Bild handelt. Ein solches 32Bit Bild hat einen so extrem hohen Kontrastumfang, dass dieser nicht (vollständig) auf Monitoren dargestellt werden kann. Stattdessen muss das Bild "herunter gerechnet" werden, um ein 16- oder 8Bit Bild zu erhalten. Dies geschieht per sogenanntem Tone Mappping.

 

Digital Blending Varianten

 

Um DRI-Bilder zu erstellen, gibt es zahlreiche Varianten. Mit dieser Tutorial-Serie werden wir Euch einige davon vorstellen. Im ersten Teil zeigen wir die Erstellung eines DRI-Bildes aus zwei Einzelbildern in Photoshop. Die Photoshop Version spielt dabei keine Rolle. Wir benötigen dazu ein erstes Bild, welches so belichtet wurde, dass die dunklen Bildbereiche Bildinformationen enthalten und somit korrekt belichtet sind. Das heißt, helle Bildbereiche, wie z.B. Straßenlichter bei Nachtaufnahmen oder oder Himmelsbereiche bei Landschaftsaufnahmen, sind in diesem Bild überbelichtet und überstrahlen. Das zweite Bild ist so belichtet, dass die hellen Bildbereiche korrekt belichtet sind und nicht überstrahlen. Stattdessen sind die dunklen Bildbereiche, wie z.B. unbeleuchtete Häuser bei Nachtaufnahmen oder im Schatten liegende Bildbereiche bei Landschaftsaufnahmen, unterbelichtet. Diese Bereiche "saufen ab". Es gibt demnach keine erkennbaren Strukturen oder Bildinformationen.

Wir verwenden dafür folgende beiden Bilder:

 

Zunächst werden beide Bilder in Photoshop geöffnet.

 

 

Als erstes wählt Ihr das dunklere Bild, also jenes, bei dem die hellen Bildbereiche korrekt belichtet sind. Mit den Tastenkombination "strg + a" wählt Ihr das Bild aus und kopiert es mit "strg + c". Anschließend wechselt Ihr zum helleren Bild und fügt die Auswahl des dunkleren Bildes mit der Tastenkombination "strg + v" ein. Das dunklere Bild wird nun als neue Ebene über dem helleren Bild eingefügt.

 

 

Nun markiert Ihr die eben eingefügte Ebene per Mausklick und fügt durch Klick auf das Maskensymbol eine weiße Maske hinzu.

 

 

Jetzt wählt Ihr wieder die untere Ebene durch einen Mausklick aus. Anschließend markiert Ihr mit der Tastenkombination "strg + a" das gesamte Bild. Mit "strg + c" kopiert Ihr den Bildinhalt. Mit gedrückter Alt-Taste klickt Ihr jetzt auf die vorhin erzeugte Maske. Anschließend wird ein komplett weißes Bild angezeigt.

 

 

Mit der Tastenkombination "strg + v" fügt Ihr den eben kopierten Bildinhalt ein. Es wird nun ein Schwarz-Weiß-Bild angezeigt.

 

 

Nun wählt Ihr über Filter/Weichzeichnungsfilter den Filter "Gaußscher Weichzeichner" und dort einen Wert von ca. 40 Pixeln.

 

 

Um das Ergebnis zu sehen, klickt Ihr einfach auf die untere Ebene (Hintergrund) in der Ebenenpalette. Um die beiden Ebenen zu vereinen, könnt Ihr die Tastenkombination "strg + e" in der Ebenepalette verwenden.

 

Das fertige Bild ist nun eine "Verrechnung" beider Einzelbilder, wobei die überstrahlten und zu hellen Bildbereiche des hellen Einzelbildes durch die entsprechenden Bildbereiche des dunkleren Bildes überblendet wurden. Das Ergebnis ist ein Bild ohne überstrahlte und zu dunkle Bildbereiche.

 

 

Ganz klar muss an der Stelle gesagt sein, dass diese Methode nicht zwangsläufig bei allen möglichen Motiven funktioniert. Manchmal treten z.B. unschöne Helos auf. Aber im Großen und Ganzen erzielt man damit meist sehr gute Ergebnisse.

 

Im zweiten Teil dieser Serie zeigen wir Euch eine weitere, aber aufwändigere Variante ein DRI zu erstellen.

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