Workflow in Lightroom



Wer zum ersten Mal mit Lightroom arbeitet, wird höchstwahrscheinlich zu Beginn auf die ein oder andere Weise mit scheinbar unzähligen Möglichkeiten der Bildanpassung in Lightroom überfordert sein. Nun beziehen wir uns dabei ausschließlich auf das Entwicklungsmodul und lassen all die anderen Module, Einstellungen, Voreinstellungen, Presets usw. außen vor. Die Möglichkeiten im Entwicklungsmodul sind zahlreich und gerade zu Beginn eines (Hobby-) Fotografen-Daseins fällt der Einstieg schwer. Zumindest ging es uns so als wir vor mehr als 4 Jahren zum ersten Mal mit Lightroom (damals Version 3) unsere Bilder bearbeitet haben. Aktuell arbeiten wir mit Lightroom 5 und haben unsere Bearbeitungszeit drastisch reduziert.

 

In diesem Artikel möchten wir nicht auf einzelne Einstellungen, Werte oder Werkzeuge im Detail eingehen, sondern möchten versuchen, Euch eine Art "roten Faden" an die Hand zu geben. Dieser soll Euch dabei helfen, Eure Bearbeitungsschritte und -Gedanken besser zu organisieren und zu strukturieren. Es geht also im Folgenden nicht primär darum, wie wir etwas genau anpassen, sondern um die verschiedenen Schritte und eine bestimmte - zumindest für uns logische - Reihenfolge. Am Anfang haben wir so ziemlich alle Regler in beliebiger Reihenfolge in Lightroom bewegt, mal mehr mal weniger. Hier mal was ausprobiert und da mal etwas neues Cooles gefunden. Ausprobieren und Testen ist prinzipiell wichtig. Hilft es doch, zu verstehen, was bestimmte Einstellungen mit dem Bild machen und warum das so ist. Natürlich gehört hier auch ein gewisses Maß an Wissensdurst und Neugier dazu. Es geht dabei nicht darum, jeden mathematischen Algorithmus hinter einer Funktion oder einem Werkzeug zu verstehen, aber zumindest ein Grundverständnis zu entwickeln.

 

Wenn wir unsere Bearbeitungsschritte heute mit denen von früher vergleichen, können wir ganz klar sagen, dass heute alles einem bestimmten "Flow" folgt. Früher waren wir mehr oder minder von dem Gedanken getrieben "Was könnte man mit dem Foto anstellen?". Heute sind es stets die gleichen grundlegenden Punkte, die wir bearbeiten möchten, wobei wir heute immer davon getrieben sind, einen bestimmten Look zu erzeugen bzw. die Bildaussage zu verstärken oder herauszuarbeiten. Das hat sicherlich etwas mit dem eigenen Stil zu tun und der Frage, wie man da hin kommt. Aber das ist Stoff für einen separaten Artikel :-)

 

Unsere Bearbeitungsschritte lassen sich im Grunde in drei Gruppen einteilen, die wir Euch im folgenden näher bringen wollen. Es geht dabei nicht zwingend um eine exakte Reihenfolgen, sondern vielmehr um eine logische Zusammenfassung.


Die "Störenfriede"

Diese Bearbeitungsschritte dienen zum einen dazu, Bildinhalte zu entfernen, die störend sind oder wirken. Zum anderen korrigieren sie bestimmte Fehler. Die meisten Fotos weisen mindestens einen dieser Störenfriede auf:

 

  • Schiefer Horizont
  • Sensorflecken
  • Chromatische Abberationen
  • Stürzende Linien
  • Lichter ohne Details
  • Tiefen ohne Details

 

In vielen Fällen ist ein schiefer Horizont unerwünscht, es sei denn er wurde bewusst gewählt. Abhilfe schafft hier entweder das Freistellen-Werkzeug oder die Upright-Funktion in der Objektivkorrektur.


Sensorflecken können seit Lightroom 5 mit dem Bereichsreparatur-Werkzeug auch über "Bereiche anzeigen" sichtbar gemacht und so einfach entfernt werden. Dieses Feature zeigt das Foto in einer Schwarz-Weiß-Strukturierung an, sodass man starke Kontrastbereiche sichtbar machen kann.


Chromatische Abberationen, also Farbsäume an Kanten mit Hell-Dunkel-Übergang, können über die Objektivkorrektur mit einem Klick entfernt oder zumindest reduziert werden.


Stürzende Linien können mit der Upright-Funktion und den verschiedenen Optionen "Auto" oder "Voll" entfernt werden.


Gerade bei Bildern mit hohem Kontrastumfang (sehr helle und sehr dunkle Bereiche) findet man häufig sowohl helle als auch dunkle Bildbereiche, die keinerlei Bildinformation mehr aufweisen. Umgangssprachlich spricht man dann oft von ausgebrannten Lichtern und abgesoffenen Tiefen/Schatten. Diese Bildbereiche weisen dann 100% Weiß bzw. 100% Schwarz auf. Bei kleineren Flächen oder Bildbereichen im Foto ist das kein Problem. Bei größeren schon, gerade wenn man später drucken möchte. Um diese Bildbereiche sichtbar zu machen, kann man im Histogramm die Lichterbeschneidung (Beschneidungsmarker = Dreieckssymbol rechts) und die Tiefenbeschneidung (Beschneidungsmarker = Dreieckssymbol links) aktivieren. Anschließend werden zu dunkle und zu helle Bildbereiche blau und rot markiert. Je nach dem wo im Bild sich diese Bereiche befinden, kann man auf unterschiedliche Art Zeichnung zurück holen. Globale Korrekturen, d.h. Korrekturen, die sich auf das ganze Bild auswirken, kann man in den Grundeinstellungen mit den Reglern für Lichter (Korrektur in den Negativbereich) und Tiefen (Korrektur in den Positivbereich) machen. Lokale Anpassungen wiederrum können entweder mit dem Verlaufs- oder dem Pinselwerkzeug vorgenommen werden, z.B. auch hier mit den Reglern für Lichter und Tiefen, ggf. auch über den Belichtungsregler. In der Regel korrigiert man über die Regler solange bis die Beschneidungsanzeige (blau für die Tiefen, rot für die Lichter) im Bild verschwindet. Bei der Korrektur dieser Bereiche spielt für uns auch immer die Beurteilung der Gesamtbelichtung des Fotos eine Rolle. Ist es unterbelichtet? Ist es überbelichtet? Können wir eine dieser beiden Fragen mit Ja beantworten, korrigieren wir zunächst die Belichtung bevor wir uns den Tiefen und Lichtern zuwenden.

 

Die Bildwirkung

Nachdem wir die Störenfriede beseitigt bzw. korrigiert haben, wenden wir uns den eigentlichen Bildinhalten zu, also dem eigentlichen Motiv, der Bildaussage und der Bildwirkung. Hier kommen zumindest für uns zwei Aspekte zum Tragen. Zum einen möchten wir Gefühl und Eindruck wiedergeben, die uns beim Fotografieren vor Ort  wiederfahren sind. Zum anderen möchten wir die Bildinhalte im Foto verstärken und herausarbeiten, die uns persönlich am wichtigsten sind. Beides ist letztendlich unserem eigenen persönlichen Geschmack geschuldet und ist absolut subjektiv. Es gibt drei wesentliche Aspekte, die die Wirkung eines Bildes beeinflussen:

 

  1. Farbgebung
  2. Licht und Schatten
  3. Bildführung

 

Die Farbgebung eines Fotos kann man auf verschiedene Arten beeinflussen. Das fängt beim Weißabgleich an, bei dem man sich entscheidet, ob das Bild neutral, warm oder eher kalt wirken soll. Höhere Farbtemperaturen erzeugen einen wärmeren Look, geringere Farbtemperaturen hingegen lassen das Bild kälter erscheinen. Weiterhin bewirkt das Anpassen von Kontrast, Schwarz- und Weißpunkt  eine Änderung der Farben und somit der Farbgebung. Mit den Reglern für Sättigung und Dynamik können die Farben ebenfalls gesteuert werden. All diese Anpassungen wirken sich global auf das gesamte Bild aus. Eine feingranularere Steuerung erzielt man über das HSL-Modul, in dem man Farbton, Sättigung und Luminanz einzelner Farben ändern kann. Sollen beispielsweise die Farben eines Sonnenuntergangs angepasst werden, kann hier über die Anpassung von Rot-, Orange- und Gelbtönen eingegriffen werden.


Licht und Schatten sind selbstredend bereits bei der Entstehung des Fotos vor Ort gegeben. Beeinflusst bzw. erzeugt werden Licht und Schatten unter anderem durch die Tageszeit, Stand der Sonne, Partikel in der Luft (z.B bei diesiger Sicht) und anderen Wetterbedingungen wie Wolkenbildung und Nebel. Teilweise haben wir bereits Änderungen bzw. Korrekturen an den Lichtern und Schatten vorgenommen, als wir, wie oben beschrieben, die Lichter- und Tiefenbeschneidung korrigiert haben. Jetzt möchten wir jedoch die Lichtstimmung entweder verstärken oder gezielt (wieder) herausarbeiten. Hier geht es also um lokale, punktuelle Anpassungen und um gezielte Aufhellung und Abdunklung bestimmter Bildbereiche. Das kann klassisches Dodge&Burn (Abwedel und Nachbelichten) mit dem Pinselwerkzeug sein (Belichtung erhöhen oder verringern), z.B. zum Abdunkeln von Wolken, um sie so dramatisch wirken zu lassen, wie wir es vor Ort empfunden haben oder wie wir es für gut halten. Herauszuarbeitende Lichter können z.B. Lichtreflexionen auf spiegelnden Flächen wie Wasser oder Fenster sein. Auch mit dem Verlaufswerkzeug kann die Lichtwirkung verändert werden, bspw. durch Abdunkeln des Himmels oder Aufhellen eines Vordergrunds oder der Kombination aus beidem.


Bildführung ist ein Aspekt, den man gezielt vor Ort bei der Erstellung des Fotos bereits festlegen und beeinflussen kann. Dabei geht es um Perspektive, Linien, die im Bildausschnitt vorhanden sind und auf das Hauptmotiv zulaufen oder von diesem weg führen. Außerdem geht es um die Bildaufteilung, also um die Frage, wo man welche Bildinhalte im Bildausschnitt positioniert. Hier kommen bei der Aufnahme Prinzipien wie Goldener Schnitt und Drittelregel zum Tragen. Im Nachgang kann die Bildführung durch Beschnitt des Bildausschnitts geändert werden. Dabei kann bei gleichem Seitenverhältnis (z.B. 3:2) einfach der Bildausschnitt mit dem Freistellen-Werkzeug verkleinert werden. Oder es wird bewusst ein anderes Seitenverhältnis wie z.B. 16:9 oder 3:1 gewählt, um Bildinhalte anders zu positionieren. Die Bildführung kann aber auch geziehlt durch Licht (-führung) gelenkt werden. Vignetten zum Beispiel lenken durch Abdunkeln von Bildinhalten am Rand den Betrachter auf den helleren Bereich im Bild.


Die Details

Zum Schluss wenden wir uns den Details zu.


  1. Schärfe und
  2. Rauschen


Im Modul "Details" schärfen wir das Bild nur noch nach und entfernen Luminanz- und Farbrauschen, je nach dem, wie stark dieses im Bild vorhanden ist. Und thats it!


Das sind im Wesentlichen die Punkte, die wir (mittlerweile) bei jedem Foto abarbeiten. Nicht immer ist jede einzelne Anpassung nötig und je nach Foto fällt der Grad der Bearbeitung anders aus - mal mehr Anpassung, mal weniger. Bei der Korrektur der "Störenfriede" bewegt man sich im Grunde auf einer eher objektiven Ebene. Ein schiefer Horizont ist ein schiefer Horizont, das hat nichts mit persönlichem Geschmack zu tun. Bei der Bildwirkung ist im Grunde alles subjektiv, da jeder einen anderen Geschmack hat. Es gibt sicherlich so etwas wie eine "ästethische Grenze". Wenn man die überschreitet, produziert man womöglich ein Bild, dass "kaputt" bearbeitet wurde, wenn die Regler bis Anschlag gedreht werden.


Mit der Zeit und mit entsprechend viel Übung entwickelt man ein Gefühl und Gespür, was im Bild anzupassen ist und wie man Bildinhalte verstärkt bzw. den Blick des Betrachters auf dieser lenkt. Somit geht die Bildbearbeitung in Lightroom irgendwann auch recht schnell von der Hand. Für die meisten Bilder benötigen wir in Lightroom nicht mehr als 10 Minuten, oft nicht mal 5 Minuten.


Wir hoffen, Ihr könnt aus diesem Post etwas für Euch und Eure Bildbearbeitung mitnehmen und vielleicht hilft es Euch dabei, Euren Workflow zu optimieren.

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